Und ewig suggeriert der Kurier
von Martin Beck
"NACH KURIER-BERICHT - Wagenburg soll ganz schnell weg - Politiker wünschen sich an gleicher Stelle einen schicken Sportplatz" titelt der Berliner Kurier heute, am 20.2.2009.
Die Artikel des Kuriers sind wegen ihrer intellektuellen Schlichtheit und ihrer direkten, unverhüllten Ressentiments lesenswert. In ihrer dreisten Verlogenheit sind sie geradezu entwaffnend ehrlich.
Eine solche Direktheit und Offenheit haben die Politiker von "Die Linke", SPD, FDP und CDU bei der Diskussion am 18.2.2009 während der Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Bauen leider vermissen lassen. Diese haben durch die Bank weg - ganz gleich ob ehemaliger Stasimitarbeiter vom Wachregiment Dzierzynski oder CDU-Hardliner - die Wagenburg alle ganz, ganz lieb. Alte SED-Kader auf einer Linie mit der CDU - besser hätte es mit der Wiedervereinigung doch gar nicht kommen können - oder? Wo es so drängend an nicht näher zu definierenden Sport- und Freizeitflächen mangelt - im Friedrichshainer Südkiez - da wird die Wagenburg halt leider ausweichen müssen an einen Ersatzplatz. Und das Bezirksamt wird beauftragt den selbigen dort zu finden wo es ganz bestimmt keinen gibt.
Der Bilduntertitel im Kurier schreibt es hingegen gerade heraus: "Die Wagenburg in der Modersohnstraße soll verschwinden." Punkt. Kein Rumtaktieren mit Heuchelschleim und Schmierseife. Ich werde den Verdacht einfach nicht los, dass es der Kurier-Schreiberling insgeheim gut mit den Wagenburglern meint.
"Nach dem KURIER-Bericht vom 13. Februar fordert jetzt eine Mehrheit der Parteien im Bezirk: An gleicher Stelle soll ganz schnell ein Sportplatz gebaut werden."
Zur Ehrenrettung der neuen grossen Koalition aus der braun-roten, der schwarz-braunen, der blau-gelben und der blass-roten Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung muss gesagt werden, dass die Ressentiments nicht erst vom Kurier herbeigehetzt worden sind. Ehre, wem Ehre gebührt. Doch diese Verdienstmedaille kann sich der Kurier nicht zu Recht ans Revers heften. Das gebetsmühlenhafte Wiederholen und verleumderische In-Zusammenhang-stellen des Adjektivs "versifft" mit den BewohnerInnen der Wagenburg in den beiden voraus gegangenen Kurier-Artikeln genügt dazu bestenfalls in den feuchten Träumen eines journalistischen Schmierfinken von unterdurchschnittlicher Intelligenz.