Qualitätsjournalismus

von Corinna Aichele

"Macht endlich Platz für Kinder!" titelt der Berliner Kurier in einem Artikel vom 12.2.2009 gegen unseren Wagenplatz. "Friedrichshain-Kreuzberg hat [...] die wenigsten Sportanlagen. Und doch geben die Politiker seit Jahren einer versifften Wagenburg den Vorrang vor dem Bau eines Bolzplatzes."

Versiffte Wagenburg. Genau. Die beiden Herren von der Boulevardjournallie waren nicht einmal auf unserem Grundstück, weil Ich sie bereits beim Betreten des Platzes in Empfang genommen habe. Für wen sie konkret fotografieren und schreiben? Erst nach mehrmaliger Nachfrage kommen sie mit der eigentlichen Wahrheit heraus.

Statistisch mag es stimmen, dass der Grossbezirk Friedrichshain-Kreuzberg pro Kopf nur wenige Quadratmeter Sportfläche hat. Seit der Zusammmenlegung mit Kreuzberg vielleicht. Allerdings herrscht gerade dort wo die Wagenburg steht kein Mangel an Aschebahnen, Tennisplätzen, Kunstrasen, Basketballplätzen, einem wettkampfgerechten Fussballplatz - 400 Meter weiter sind die Sportanlagen "Lasker Strasse". Die sind in ihrer Weitläufigkeit ziemlich beeindruckend. Und es ist nicht gerade so, dass sich die SportlerInnen zu irgendeinem Zeitpunkt dort gegenseitig auf die Füsse treten.

"In einem alten Bretterverschlag liegen Bücher, Schuhe, Kleidung. Regen tropft darauf." Der "alte Bretterverschlag" ist unsere Free-Box - hier können Besucher von der Strasse und BewohnerInnen Gegenstände, Bücher, Kleidung usw. die noch brauchbar sind einstellen oder mitnehmen. "Regen tropft darauf." Irgendwie deprimierend das Bild - nicht?! Ein, zwei Schönheitsfehler hat die Beschreibung der deprimierenden Zustände auf unserer Wagenburg: Die Free-Box ist kein Bretterverschlag und sie hat ein Dach - und geregnet hat es an diesem Tag auch nicht. Macht ja nichts, Hauptsache die Suggestion in den Köpfen der Kurier-LeserInnen stimmt.

Ich werde wörtlich zitiert mit den Worten: "Für einen Sportplatz würden wir hier auf keinen Fall freiwillig das Feld räumen." Das habe Ich nicht gesagt. Fakten interessieren die Kurier-Leute nicht.

Aber damit sage Ich den meisten von Euch ja nichts neues.